Kinder
und Jugendliche die unter Anstregungsasthma leiden, sollten
weiter am Schulsport teilnehmen
Von
Dr. med. Jochen Kubitschek
Volltext/Druckversion
Das
Bronchialasthma gilt in Deutschland als
eine der am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen, bei
Kindern sogar als die häufigste. Nach der international angelegten
ISAAC Studie ist die
Häufigkeit der Erkrankung in Deutschland in den letzten fünf Jahren
dramatisch gestiegen. Heute ist bereits jedes achte Kind betroffen.
Ungefähr fünf Prozent der Erwachsenen leiden in Deutschland an
der entzündlichen Krankheit der Atemwege, die mit einer Überempfindlichkeit
der Bronchialschleimhäute einhergeht. Die Folge sind immer wieder
plötzliche krampfartige Verengungen der kleinsten Lungenverästelungen
und bedrohliche Erstickungsanfälle.
Obgleich
das Asthma wahrscheinlich als Krankheit ebenso alt ist wie die
Menschheit, kommt ihm heute aufgrund eines veränderten
Lebensstils, der Zunahme von Umweltschadstoffen, wie einer
Konzentration von Stickoxiden, Ozon und Schwebestaub in der Luft,
wachsende Bedeutung zu .
Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass insgesamt etwa
200 Millionen Menschen an Asthma erkrankt sind. In Deutschland
leiden etwa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche an Asthma. Und
immer noch sterben rund 5.000 Menschen in Deutschland jährlich an
dieser Erkrankung.
Sport
und körperliche Anstrengung sind für asthmakranke Patienten
wegen der Gefahr des Anstrengungsasthmas mit medizinischen
Problemen verbunden. Doch der Verzicht auf diese Tätigkeiten ist
nicht die richtige Reaktion betonte Dr.
med. Joseph Lecheler, Berchtesgaden, vor Journalisten.
Anstrengungsasthma
ist dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb von acht bis zehn Minuten
nach Beginn einer körperlichen Anstrengung Atemnot auftritt, die
durch eine Verengung der Bronchien hervorgerufen wird. Faktoren
wie Allergien, Infekte und körperliche Anstrengung können jederzeit
Atemnotszustände auslösen.
Da
sich Kinder in der Regel mehr körperlich bewegen als Erwachsene,
fällt bei Ihnen ein Anstrengungsasthma früher auf und stellt oft
das von den Eltern berichtete Erstsymptom dar. Die Folgen der
Diagnose sind oft Schonempfehlungen und Ausgrenzung von
altersentsprechender Belastung.
Untersuchungen
haben in den letzten Jahren aber eindeutig gezeigt, dass
Sport und körperliches Training -
trotz der Gefahr des Anstrengungsasthmas - empfohlen werden sollte.
Durch die sportliche Betätigung, kann das Anstrengungsasthma selbst
abgemildert werden.
Allerdings
sollte vor Beginn einer Sporttherapie eine gründliche fachärztliche
Untersuchung erfolgen. Nach internationaler Übereinkunft werden
bei Kindern und Jugendlichen in der Regel Medikamente wie DNCG oder sog. Beta-Sympathikomimetica wie Reproterol zur Inhalation verordnet. Günstig für die Vermeidung eines
Anstrengungsasthmas ist es, wenn eine Inhalation unmittelbar vor
der Sportstunde durchgeführt wird.
Die
meisten Lungenfachärzte sind sich einig, dass grundsätzlich alle
asthmakranken Patienten, so auch Kinder und Jugendliche , an
Sportprogrammen teilnehmen sollten - wenn
bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden.
Schwimmen ist eine besonders günstige Sportart für
Asthmatiker, vor allem im Schwimmsport können enorme Leistungen
erzielt werden. Ältere Kinder und Jugendliche -
aber auch Erwachsene - profitieren vor allem von
Ausdauersportarten.
Wettkampfsportarten
haben bei asthmakranken Kindern den entscheidenden Nachteil, dass
die mangelnde Wahrnehmung
der beginnenden Verengung der Atemwege eingerechnet werden
muss. Zumindest bei diesen Sportarten sollte daher immer ein Lehrer
oder Trainer anwesend sein.
Der Ehrgeiz der Kinder und Jugendlichen sollte mehr auf
häufigere Wiederholungen und zeitliche Ausdehnung der sportlichen
Leistung gerichtet werden als auf vermeintliche Rekorde im Bereich
hoher Belastungsintensitäten. Werden maximale Belastungen angesteuert,
besteht jederzeit die Gefahr eines Asthmaanfalles.
Am
Ende der Sportstunde sollte die Belastung nicht abrupt abbrechen, sondern
in einer Abklingphase langsam auslaufen. Dabei können in spielerischer
Form Elemente der krankengymnastischen Atemtherapie eingebracht
werden, etwa Übungen mit Lippenbremse, Atem erleichternde Körperhaltungen
und dergleichen.
Durch
dosierte körperliche Trainingsprogramme lässt sich
jeder Asthmatiker in den Schulsport integrieren oder kann
als Erwachsener an Freizeitsportarten teilnehmen, die ihn sogar
bis zu überdurchschnittlichen Leistungen führen können.